T A N Z A N I A - A Home away from Home - The Usambara Mountains
Frühe Geschichte Tansanias
Die frühe Geschichte Tansanias ist mangels schriftlicher Zeugnisse schlecht dokumentiert. In Zentraltansania, in der weiteren Region um Dodoma , befinden sich zwei Stätten, die aufzeigen, dass das Inland Tansanias schon lange Zeit, wenn auch nur dünn, besiedelt war.
Bei Kondoa, nördlich von Dodoma, fand man zahlreiche Felsmalereien, die auf ein Alter von 800-3500 Jahre geschätzt werden, die Kolo Rock Paintings. Aufgrund der Motive (viele Wildtiere, Jäger mit Pfeil und Bogen) schreibt man sie den heute nur noch spärlich vertretenen Buschmannvölkern der Hadzabe und Sandawe zu.
Bei Iringa, südlich von Dodoma, befindet sich die Isimilia Stone Age Site. Eine Fundstätte, bei der Unmengen an altsteinzeitlichem Werkzeug (Faustkeile, Speerspitzen, Schaber, diverse Messer und Äxte) gefunden wurde. Es wird angenommen, dass diese Gegenstände vor über 60'000 Jahren gefertigt wurden.

Aufgrund dieser Fundstätten ist anzunehmen, dass zu prähistorischen Zeiten in Tansania Buschmannvölker (Khoisan) siedelten, die infolge klimatischer Veränderungen von anderen Bevölkerungsgruppen soweit verdrängt, respektive in deren Verbände integriert wurden, dass sie heute nur noch wenige tausend sind.

Zur Zeit geht man davon aus, dass zwischen 8000 und 2500 v.Chr. die bis dato noch grüne Sahararegion auszutrocknen und zu versanden begann. Da die Sahara zu dieser Zeit eines der wichtigsten Siedlungszentren in Afrika war, begannen nach der Klimaveränderung ganze Völkerwanderungen.
Um ca. 2000 v.Chr. wanderten aus dem Nordosten Afrikas (vor allem aus Somalia und Äthiopien) kuschitische Stämme in das Gebiet des heutigen Tansanias ein, und siedelten im Norden des Landes. Sie brachten die Rinderzucht mit (Heutige Nachkommen: Burungi, Goroa und Iraqw).
Ab ca. 1000 v.Chr. ereichten auch Bantustämme Tansania. Sie kamen aus den Gebieten des heutigen Kamerun in Westafrika über die Waldgebiete Kongos nach Tansania. Sie liessen sich langsam bei den grossen Seen und an der Küste nieder. Sie betrieben haupt-sächlich Ackerbau (Hirse, Sorghum), betätigten sich aber auch als Hirten, wo der Boden nicht genug hergab. Ausserdem beherrschten sie die Kunst der Metallverarbeitung (Heutige Nachkommen: Sukuma, Nymwezi, Chagga und Makonde).
Als letzte Gruppe erreichten auch Niloten aus dem Sudan zwischen dem 12. und 18. Jahrhundert Tansania . Sie betrieben fast ausschliesslich Rinderzucht (Heutige Nachkom-men: Masai und Barabaig).

Man sollte sich diese Einwanderungen aber nicht als Treck von abertausenden von Men-schen vorstellen, die zusammen neue Siedlungsgebiete erreichten. Vielmehr waren es kleinere Stammes- oder Familienverbände, die sich nach und nach über längere Zeiträume verteilten. Dies zeigt sich auch an dem Umstand, dass es heute in Tansania ca. 130 Ethnien mit genauso vielen Sprachen gibt.
Diese Einwanderungen sind auch nicht genau belegt, deshalb sollte man die Jahreszahlen nicht als harte Fakten nehmen, sondern als grobe Schätzung der Zeitabläufe.

Vorkoloniale Geschichte
Relativ gut dokumentiert ist die Geschichte kurz vor und ab der Zeitwende an den Küsten. Als erstes bekanntes schriftliches Dokument beschreibt der Periplus (eine zur Zeit der griechischen Ptolemäer verfasste Segelanweisung für das rote Meer und angrenzende Teile des indischen Ozeans) um ca. 80 v.Chr. die Lage sowie die Bevölkerung der Küste Ostafrikas. In diesem Dokument wird als südlichster Punkt Rhapta benannt, von dem Historiker annehmen, dass das heutige Pangani (ein Küstendorf mit etwa 5000 Einwoh-nern ca. 40km südlich von Tanga) gemeint ist. Auch der griechische Astronom und Geograph Ptolemäus (87-150 n.Chr.) berichtet von einem schneebedeckten, hohen Berg in Afrika, landeinwärts bei Rhapta. Damit ist mit grosser Wahrscheinlichkeit der Kilimanjaro gemeint.
Dr. Felix Chami, ein tansanischer Archäologe, fand auf der Insel Juani Gegenstände, die mittels Radiokarbonmethode teilweise auf ein Alter von ca. 2600 Jahren datiert wurden. Die griechisch-römischen Töpfereien, syrischen Glasgefässe sowie persischen Glasperlen und Sassanian-Töpfereien legen nahe, dass die Einwohner an der Küste bereits in der vorislamischen Ära mit weiter entfernten Völkern Handel trieben.
Des Weiteren gibt es mehrere Hinweise, dass ab ca. dem 1.Jahrhundert n.Chr., sicher aber ab dem 8. Jahrhundert n.Chr., Handelsbeziehungen der afrikanischstämmigen Küstenbevöl-kerung mit dem arabischen Raum, evtl. sogar bis nach Indien und China bestanden. Auch mit den Mittelmeermächten der Antike (Griechen, Ägypter usw.) bestanden solche Verbindun-gen.
Im 8.-10. Jh. n.Chr. wurden auf den der Küste vorgelagerten Inseln Sansibar (Zanji ist das persische Wort für schwarz), Pemba und Mafia arabische sowie persische Niederlassungen gegründet. Sie dienten den Arabern als Siedlungsgebiete und Basisstationen für den Handel mit dem Festland. Über Karawanenrouten wurden Gold, Elfenbein, Tierfelle und Sklaven zur Küste geschafft, von wo aus sie in das Gebiet des heutigen Irak gebracht wurden. In Folge der Besiedlung breitete sich der Islam an der Küste aus. Küstenbewohner afrikanischen Ursprungs und die Zuwanderer aus dem arabischen Raum begannen sich zu vermischen, worauf die Kultur der Swahilis (übersetzt: Küstenbewohner) entstand.
Antike ·        Siedlungsgebiet der Bantu-Stämme
8.–15. Jhd. · Sansibar ist häufiges Ziel arabischer und persischer Händler, Gründung von                           Handelsposten, Islamisierung, arabische Besiedlung
975               gründeten persische Flüchtlinge an der Südküste des heutigen Tansanias die                           Städte Sansibar und Kilwa als arabische Handelsstützpunkte
12. u. 13. Jh. Das Sultanat von Kilwa erreicht durch die Unterwerfung weiterer Küstenorte                         seine grösste Ausdehnung und wurde zum wichtigsten Zentrum des Handels                            an der tansanischen Küste. Das Einflussgebiet des Sultans von Kilwa erstrek-                        kte sich fast über die gesamte ostafrikanische Küste vom heutigen Somalia                            bis Mosambik.
1497              umfuhr der Portugiese Vasco da Gama als erster Europäer das Kap der guten                       Hoffnung und erreichte 1498 die ostafrikanische Küste. Für ihre weiteren                             Fahrten in den Osten wollten sich die Portugiesen an der Küste Basen errich-                       ten. Nacheinander nahmen sie Kilwa, Sansibar und Mombasa ein. 
28.01.1499 ·  Vasco da Gama besucht Sansibar
1505 ·            Eroberung von Kilwa durch die Portugiesen, Inbesitznahme der gesamten                             Ostküste Afrikas
Die Region geriet in eine Krise, der belebende Handel blieb aus und in der Folge machten sich Armut und Hunger breit. Aufstände der Bewohner an den Küsten wurden von der portugiesischen Besatzungsmacht gnadenlos niedergeschlagen.
1698               konnten die Portugiesen ihre Stellungen in ganz Ostafrika nicht mehr halten                            und wurden schlussendlich von Arabern aus dem Oman geschlagen und                                vertrieben. Sie mussten sich bis ins heutige Mosambik zurückziehen.
1740               gründete Sultan Ahman bin Said, der Iman von Maskat, auf Sansibar eine                              Dynastie, welche die Geschicke der Insel bis zu ihrem Sturz im Jahre 1964                            bestimmen sollte.
18./19. Jh.     die Hebe, Bena, Chagga und Nyamwenzi formten im Landesinnern Staaten                           ähnliche Gebilde bis zum 19. Jh.. Vom Norden her bevölkerten nilotische                             Viehzüchter (Masai,Barabaig) die Region im Norden Tansanias.
1837              von Sansibar aus wurden Gebiete an der Küste eingenommen. Es wurde ein                         Imperium aufgebaut, das seine Einnahmen hauptsächlich aus dem Sklaven-                           und Elfenbeinhandel erzielte. Es entstanden grosse Handelsrouten, die über                           den Tanganjika-See bis in den Kongo hineinreichten.
1840              verlegte der Sultan von Oman seinen Sitz komplett nach Sansibar.
Mitte des 19.Jh. starteten Europäer über Sansibar Forschungsreisen in das Landesinnere (Krapf und Rebmann 1842, Burton, Speke und Grant 1857-63, Livingstone 1866-73, Stanley 1871-77).

Tansania in der Kolonialzeit
1884             begann der Deutsche Carl Peters auf eigene Faust mit dem "Erwerb" von                              Gebieten auf dem Festland. Tatsächlich schloss er mit lokalen Häuptlingen und                      Königen Freundschafts- und Schutzverträge ab, worin nach europäischen                              Standards wichtige Rechte an die von Peters gegründete "Gesellschaft für                              deutsche Kolonisation" abgetreten wurden. Im Gegenzug sollte Sicherheit                              gegen Feinde und Sklavenhändler geboten werden. Ein Versprechen, das                              jedoch nie eingehalten wurde.
1885             anerkannte man in Deutschland die Versuche Peters, eine Überseekolonie                            aufzubauen, es wurde ein kaiserlicher Schutzbrief für die deutsche ostafrika-                          nische Gesellschaft (DOAG) ausgestellt, nachdem Peters ein Jahr zuvor bei                          Beginn seiner "Unternehmungen" vom deutschen Generalkonsul auf Sansibar                          keinerlei Schutz und Hilfe zugesichert bekam.
1886/87        einigten sich die Deutschen mit den Engländern und den Portugiesen über die                        Grenzziehung des Gebietes des heutigen Tansanias.
1888             erwarb die DOAG vom Sultan von Sansibar einen schmalen Landstreifen an                          der Küste. Dies führte zu einem Aufstand von Swahilis und Arabern, die unter                      ihrem Anführer Buschiri von der Küstenstadt Bagamayo aus der DOAG zuvor                      "eroberte" Gebiete wieder abnahmen. Der Aufstand wurde schliesslich 1889                        von deutschen Truppen niedergeschlagen.
1891             wurde die DOAG vom deutschen Reich als Kolonie Deutsch-Ostafrika über-                        nommen. Die Kolonie umfasste die Gebiete der Staaten Tansania, Burundi und                      Ruanda, wie wir sie heute kennen. Zwischen Deutschland und Grossbritannien                      wurde im Jahr zuvor der Helgoland-Vertrag geschlossen, der besagte, dass                          Helgoland deutsch und im Gegenzug Sansibar ein britisches Protektorat wird,                        ausserdem traten die Deutschen das heutige Uganda an die Engländer ab,                              dessen Wert (grosse Bodenschätze) sie damals völlig verkannten.
1897             wurde in Sansibar unter britischem Einfluss die Sklaverei aufgehoben und                              verboten.
1905-07        der Maji-Maji-Aufstand im Süden, der sich gegen die teilweise harte und                              überhebliche deutsche Einflussnahme wendete, wurde blutig niedergeschlagen.                      Maji bedeutet auf Kiswahili Wasser. Den Aufständischen wurde damals ein                          magisches Wasser versprochen, das jeden, der es auftrug, unverletzbar ma-                          chen sollte. Unnötig zu sagen, dass diese Mittel gegen deutsche Maschinenge-                      wehrsalven zwecklos waren. Zehntausende kamen um, bevor der Aufstand                          endgültig niedergeschlagen wurde.
Nach dem Ende des 1.Weltkrieges 1918 ging die Zeit Tansanias als deutsche Kolonie zu Ende. Die Deutschen mussten als Verlierer des Krieges ihre Kolonien an die Siegermächte abgeben. Der General Paul von Lettow-Vorbeck führte zwar noch Schlachten, als der Krieg in Europa schon beendet war, dennoch mussten schlussendlich auch die Truppen in Deutsch-Ostafrika kapitulieren.
1921              wurde das Gebiet Deutsch-Ostafrika in sogenannte Mandatsgebiete eingeteilt.                       Unter dem Namen Tanganjika wurde das Festlandterritorium des heutigen                             Tansanias den Briten übergeben, Ruanda und Burundi gingen an Belgien.
1946              nach dem Ende des 2.Weltkrieges, wurde Tanganjika ein Treuhandgebiet der                       Vereinten Nationen (die nach dem Krieg gegründet wurden). Das Mandat                         darüber wurde aber weiterhin von den Briten ausgeübt.

Tansanias Weg in die Unabhängigkeit
Nach dem 2.Weltkrieg begann der Zerfall des britischen Empires. Zahlreiche Kolonien strebten nach Unabhängigkeit, darunter auch Tansania.

Der junge Lehrer (Mwalimu) Julius Nyerere wurde 1953 zum Vorsitzenden der Tanganyika African Association (TAA) gewählt. Ein Jahr später wurde die TAA in Tanganyika African National Union (TANU) umbenannt, welche unter der Leitung Nyereres die Unabhängigkeit und das Selbstbestimmungsrecht für Tanganjika einforderte. Unter dem Motto "Uhuru na Umoja" (Freiheit und Einheit) wurde die Gründung eines selbstständigen Staates ,hinter dem ein nicht von Stammeskriegen zerrissenes Volk stand, mit friedlichen Mitteln angestrebt. 1956 hielt Nyerere eine Rede vor der UN, dem integren Mann ist die Sympathie der Welt-gemeinschaft sicher. Und weil die Briten anders als beispielsweise in Kenia (wo zahlreiche britische Siedler lebten) kein besonderes wirtschaftliches Interesse an Tanganjika mehr hatten, legten sie sich den Forderungen nach Unabhängigkeit nicht grundsätzlich quer. Der gesetzgebende Rat (eine Einrichtung, die schon seit 1926 bestand, deren Mitglieder aber bis dahin von den Briten ernannt wurden), sollte daher erstmals in demokratischen, multiethnischen Wahlen bestimmt werden.

Bei den Wahlen 1958/59 holte die TANU den grössten Teil der möglichen Sitze. Nyerere hat es verstanden, die afrikanische Bevölkerung hinter sich zu sammeln. Unter anderem dadurch, dass er nicht versuchte, einzelne Volksgruppen gegeneinander auszuspielen.

Bei den Neuwahlen des Rates im Jahr 1960 holte die TANU 70 von 71 möglichen Sitzen, die Bewegung hatte sich definitiv etabliert.
Am 09.12.1961 wurde Tanganjika als Monarchie unter britischer Krone in die Unabhängig- keit entlassen und trat der UN bei. Julius K. Nyerere wurde erster Premierminister Tanganjikas.
Am 09.12.1962 wurde aus Tanganjika eine Republik, die aber im Commonwealth verblieb. Nyerere wurde erster Staatspräsident.
Ziemlich genau zwei Jahre nach der Unabhängigkeit Tanganjikas wurde am 10.12.1963 aus den Inseln Sansibar und Pemba ein unabhängiges Sultanat. Das bis dahin britische Protekto-rat wurde in eine unsichere Zukunft entlassen, denn im Gegensatz zum Festland gab es auf den Inseln Spannungen zwischen den ethnischen Gruppen.
Am 12.01.1964 entluden sich die Spannungen, und auf Sansibar wurde der Sultan durch die Afro-Shirazi-Partei (ASP) in einer blutigen Erhebung gegen jegliche Fremdherrschaft ge-stürzt. Tausende Araber und Inder kamen dabei ums Leben.
Am 18.01.1964 proklamierte Abeid Karume die Volksrepublik Sansibar und Pemba.
Drei Monate später, am 26.04.1964, vereinen sich Tanganjika und die Volksrepublik Sansibar und Pemba zur Vereinigten Republik von Tansania. Es gab eine Unionsregierung sowie ein Unionsparlament, aber Sansibar bekam einen teilautonomen Status (eigener Präsident, eigenes Parlament, eigene Justiz).
In Arusha wurde 1967 die gleichnamige Deklaration zur Entwicklung Tansanias verab-schiedet. Darin umriss Staatspräsident Nyerere seine Visionen von Ujamaa, einer Art tansanischer Sozialismus auf Basis afrikanischer Traditionen und Familienstrukturen. Die Wirtschaft wurde verstaatlicht und ein Entwicklungsprogramm für ländliche Gebiete sollte einen Aufschwung abgelegener Regionen bewirken. Aus vielen, über ganze Tansania verteilten, kleinen Punktsiedlungen sollten grössere Dorfgemeinschaften entstehen, die sich in der Gemeinschaft gegenseitig unterstützen könnten und auch leichter an Grundversorgung (Medizin, Bildung, Wasser) herankommen sollten. Erstrebtes Ziel war es, nach und nach vom Ausland unabhängig zu werden und den Bedarf des Landes an allen Gütern aus eigener Produktion zu decken.
Mit chinesischer Hilfe begann 1970 ein grosses Projekt, der Bau der Eisenbahnlinie TAZARA (Tanzania-Zambia-Railway), die von der Hauptstadt Daressalam in den Nach-barstaat Sambia führen sollte.
1973 beschloss die Regierung, innerhalb der nächsten 10 Jahre ihren Sitz von Daressalam an der Küste nach Dodoma im Landesinnern zu verlegen. Durch diese Massnahme sollten die ländlichen Gebiete aufgewertet werden.
1977 vereinten sich die TANU und die ASP zur Chama-Cha-Mapinduzi (CCM) und bestä-tigten eine neue Verfassung. Im gleichen Jahr fiel die East African Community (EAC), ein Verbund der drei Länder Tansania, Kenia und Uganda, auseinander. Die Grenze zu Kenia wurde geschlossen, was mit einem 30%igen Rückgang des Tourismus einherging.

Die jüngere Geschichte Tansanias
Im Jahr 1978 wurde Tansania in einen Krieg mit dem Nachbarland Uganda hineingezogen, das vom Diktator Idi Amin unterjocht wurde. Ugandische Truppen marschierten in den Nordwesten Tansanias ein. Daraufhin musste sich das völlig unvorbereitete Land zur Wehr setzen und Nyerere erklärte Uganda den Krieg. Tansania machte mobil, musste aber wegen zu kleinen Beständen zuerst noch weitere Soldaten verpflichten und Truppen aus dem ganzen Land zusammenziehen, was aufgrund der schlechten Infrastruktur eine geraume Zeit dauerte. Beim Fluss Kagera im äussersten Nordwesten kam es zur Schlacht, und die tansanische Armee konnte die ugandischen Angreifer zurückdrängen. Danach stiessen die Truppen bis tief auf ugandisches Gebiet vor und waren am Sturz Idi Amins beteiligt, der das Land dann Richtung Saudiarabien verliess. 1981 zogen sich die tansanischen Einheiten wieder zurück, hatten zwar den Krieg gewonnen und einen üblen Machthaber gestürzt, allerdings gab es einen hohen Preis dafür zu bezahlen, die Landesfinanzen waren überfordert, die Staatskasse bankrott.

1985 musste Julius K. Nyerere einsehen, dass seine Vision von Ujamaa gescheitert ist. Trotz grosser Erfolge bezüglich der Bildung eines Nationalbewusstseins im Land und einer guten Versorgung der Bevölkerung mit Bildung und Gesundheit, hatte das Prinzip keinen wirt-schaftlichen Erfolg. Rückläufige Produktionsquoten in der Landwirtschaft, die Ölkrise und das riesige Loch im Staatssäckel, das der Konflikt mit Uganda gerissen hatte, führten zum Scheitern der Ujamaa-Vision. Im Gegensatz zu anderen mächtigen Präsidenten in Afrika und dem Rest der Welt zeigte Nyerere wahre Grösse und gestand sein Scheitern ein. Mittlerweile auch im eigenen Land wegen der schlechten wirtschaftlichen Lage unter Druck, trat er als Präsident ohne Machtquerelen zurück. Auch aus diesem Grund ist Nyerere heute noch ein geachteter und geschätzter Mann, auch über die Landesgrenzen Tansanias hinaus. Nyerere blieb Vorsitzender der Staatspartei CCM, die Nachfolge als Staatspräsident übernahm Ali Hassan Mwinyi, der damalige Präsident von Sansibar. Infolge der schlechten Wirtschaftslage tritt der neue Präsident in Verhandlungen mit dem internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank ein. Aber um Kredite und weitere Hilfe zu erhalten, musste Tansania Zuge-ständnisse machen und marktwirtschaftliche Reformen einleiten. Staatliche Einrichtungen mussten wieder privatisiert werden (darunter auch das Gesundheits- und Bildungssystem, das fortan nicht mehr kostenlos zugänglich war), im öffentlichen Sektor mussten massiv Stellen abgebaut werden, das Militär wurde verkleinert und der Tourismussektor sollte ausgebaut und zu einer wichtigen Einnahmequelle gemacht werden.

1990 legte Julius K. Nyerere sein Amt als Vorsitzender der CCM ab, auch in dieser Funktion wurde er von Ali Hassan Mwinyi beerbt, welcher bei den Wahlen im selben Jahr für eine weitere Amtszeit als Präsident bestätigt wurde.

1992 wurde auf einem Kongress der Regierungspartei CCM die Absicht geäussert, eine Mehrparteiendemokratie einzuführen. Darauf wird die Verfassung geändert, die CCM gibt ihre Stellung als Einheitspartei auf und es werden weitere Parteien zugelassen. Dies geschah unter der Auflage, dass künftige Parteien nicht die Einzelinteressen einer Volksgruppe oder einer Religionsgemeinschaft vertreten durften. Damit sollte ein Auseinanderdriften des gut geeinten Landes verhindert werden.

1995 fanden in Tansania zum ersten Mal Mehrparteienwahlen für das Parlament und das Präsidentenamt statt. Benjamin William Mkapa von der CCM trat die Nachfolge Mwinyis als Landesoberhaupt an. Trotz der Zulassung von Oppositionsparteien konnte die CCM auf dem Festland eine grosse Mehrheit für sich erringen. Auf Sansibar verlor die Partei aber an Stimmen. Der Präsidentschaftskandidat der CCM auf Sansibar wurde mit einem hauch-dünnen Vorsprung von 50,2% gewählt. Die Mehrheit im Parlament kann sich die CCM dennoch sichern, aber von der Opposition wird ihr Wahlbetrug vorgeworfen.

Am 14.10.1999 starb in London der Staatsgründer Julius Nyerere im Alter von 77 Jahren an Leukämie. Das ganze Land befand sich in Staatstrauer, als Präsident Mkapa den Tod des Staatsgründers bekannt gab. Es wurde eine 30-tägige Staatstrauer ausgerufen. Tausende säumten die Strassen, als Nyereres Leichnam im Flugzeug nach Daressalam zurückgebracht wurde. Bis zu 500'000 Menschen waren bei der Beerdigung in seinem Herkunftsort Butiama am Viktoriasee zugegen.

2000, zum zweiten Mal fanden Mehrparteienwahlen statt. Die CCM konnte ihre dominante Stellung im Parlament weiter ausbauen. Mkapa wird als Präsident bestätigt.

Im Januar 2001 wurde eine von Präsident Mkapa zuvor verbotene Demonstration der Oppositionspartei CUF gegen die Wahlmanipulationen auf Sansibar gewaltsam aufgelöst. Mehr als 30 Tote waren zu beklagen und es erfolgte eine Flüchtlingswelle von über 2000 Oppositionsanhängern nach Kenia. Teilweise kam es zu politisch motivierten Inhaftierungen. Aus dem Ausland hagelte es scharfe Proteste.

Im Oktober 2001 besiegelten die Regierungspartei CCM und die Oppositionspartei CUF ein Programm zur Aussöhnung. Es wurde eine Amnestie erlassen, worauf die geflüchteten Oppositionellen aus Kenia zurückkehren konnten. Die politischen Häftlinge wurden allesamt entlassen.

November 2001, als drittes afrikanisches Land erreichte Tansania den "completion point" und qualifizierte sich damit für einen deutlichen Schuldenerlass.

Mai 2003, auf Sansibar fanden Nachwahlen statt. Dieses Mal verlief die Wahl fair und transparent. Schlussendlich trug die Opposition einen deutlichen Sieg davon.
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